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Attraktionen

Wenn Du mehr Informationen rund um die zahlreichen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten entlang des Naturparkwanderweges erfahren möchtest, wirst Du hier fündig.

Attraktionen
Schlei

Attraktionen
Hüttener Berge

Attraktionen
Westensee

Attraktionen
Aukrug

Naturpark Schlei

Die Fähre in Missunde verbindet
ganzjährig die Halbinseln
Schwansen und Angeln.

Bei Rabelsund
ist die Schlei
besonders
schmal und tief.

Kein Fluss und kein See

Der Meeresarm Schlei

Ein Geschmackstest bringt es an den Tag: Die Schlei ist ein Meeresarm der Ostsee und führt ein Gemisch aus Süß- und Salzwasser (Brackwasser). Ihre Entstehung verdankt sie der letzten Eiszeit, als vermutlich Schmelzwasser die Rinne aus der umgebenden Landschaft ausspülte. Hier im Rabelsund befindet sich mit 16 Metern die tiefste Stelle des Gewässers. Mal eng wie ein Fluss, mal breit wie ein See: An der Schlei wechseln sich schmale und breite Abschnitte ab. Am breitesten ist das Gewässer zwischen Schleswig und Missunde: Die „Kleine Breite“ misst ungefähr zwei Kilometer. Die „Große Breite“ ähnelt mit ihrer Breite von vier Kilometern einem See. Am schmalsten ist das Gewässer mit 135 Metern in Missunde. Eine Besonderheit stellen die Noore dar: Die seenartigen Buchten stehen über schmale Durchlässe mit der Schlei in Verbindung.

Ein Gewässer schnappt nach Luft

Die Wasserqualität

Vor gut 100 Jahren war die Schlei ein ökologisch intaktes Gewässer. Das Wasser war klar, Unterwasserpflanzen besiedelten den Gewässergrund bis in mehr als zwei Meter Tiefe.
Auch Muscheln, Schnecken und Würmer kamen in reicher Zahl vor und dienten als Nahrungsgrundlage für Fische und Wasservögel. In den 1970er Jahren schrillten die Alarmglocken. Durch zu hohe Nährstoffeinträge in die Zubringgewässer der Schlei vermehrten sich vor allem Algen, die nach ihrem Absterben eine mächtige Faulschlammschicht auf dem Grund der Schlei bildeten. Lebensnotwendiger Sauerstoff wurde besonders im Sommer zur Mangelware. Seit dieser Zeit hat sich vieles getan. Der Ausbau der Klärwerke sowie eine Reduzierung der Düngermenge auf den Feldern verbesserte die Situation und verringerte die Nährstoffeinträge. Aber die Schlei schnappt noch immer nach Luft. Es bedarf weitere großer Anstrengungen im gesamten Gewässereinzugsgebiet der Schlei um nachhaltig zu verhindern, dass sich neuer Faulschlamm bildet. Diese Frage wird die Menschen an der Schlei wohl noch eine Zeitlang beschäftigen.

Miesmuscheln kommen in der
inneren Schlei nicht mehr vor.

Die Gewässerqualität
der Schlei wird regelmäßig
untersucht.

Der Seeadler brütet und jagt an der Schlei

Typisch Singschwan: Gelber Schnabel und laute Rufe

Rasten, überwintern und brüten

Das Vogelleben an der Schlei

Die Schlei bietet eine einzigartige Vielfalt an Lebensräumen und dient daher als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl an Vogelarten. Im Winter und während der Zugzeit sind es vor allem Gänse und Enten, die teilweise in Scharen die Buchten bevölkern. Auf den abgeernteten Äckern verbringen Singschwäne die kalte Jahreszeit. Im Sommer brüten Möwen z. B. auf der Möweninsel bei Schleswig. Im Schilf brüten Rohrammer und verschiedene Rohrsänger und auf geschützten Weideflächen ziehen Graugänse ihren Nachwuchs auf. Besondere Vogelbeobachtungen sind in den Naturschutzgebieten „Reesholm“, „Schwansener See“ und „Schleimündung“ möglich. Auf Reesholm singt im Frühling noch die selten gewordene Feldlerche, am Schwansener See brüten Uferschwalben in der Steilküste und an der Schleimündung sammeln sich im Spätsommer und im Herbst Goldregenpfeifer auf ihrem Weg gen Süden. Und mit Glück zeigt sich der Seeadler am Himmel.

Deutsch oder Dänisch?

Die Schlacht von Missunde 1864

Die Schlacht in Missunde stand am Anfang des zweiten deutsch-dänischen Krieges. In dem Konflikt ging es insbesondere um die nationale Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig. Im Februar 1864 versuchten preußische Soldaten das Dorf Missunde einzunehmen und damit den Übergang über die Schlei zu erzwingen. Die Dänen waren zwar zahlenmäßig unterlegen, wehrten den Angriff aber erfolgreich ab. Glücklicherweise gab es nur wenige Opfer, vermutlich verhinderten dichter Nebel und Pulverdampf Schlimmeres. An dieser Stelle liegen an der umfriedeten Eiche zwölf preußische Soldaten begraben, die in dieser Schlacht ihr Leben verloren. Wie ging der Krieg weiter? Am 18. April 1864 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Düppel westlich von Sonderburg. Dänemark verlor den Krieg und musste das Herzogtum Schleswig sowie Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich abtreten.
Die heutige Grenze zwischen Deutschland und ­Dänemark wurde nach einer Volksabstimmung im Jahre 1920 gezogen.

Die Schlacht von Missunde
stand am Anfang der blutigen Auseinandersetzungen zwischen ­Dänemark und Preußen – Österreich.

Plan zum Gefecht von Missunde

Die Arznei-Engelwurz hat Ähnlichkeit mit dem ausbreitungsfreudigen Riesen-Bärenklau. Sie gilt als wertvolle Heilpflanze.

Die Sumpf-Gänsedistel bevorzugt salzhaltige und feuchte Standorte.

Manche mögen‘s salzig

Die Pflanzenwelt der Schlei

Auch wenn die Schlei streckenweise so aussieht wie ein Fluss, ist ihr Wasser salzig. Während der Salzgehalt an der Schleimündung bei etwa 15 Gramm pro Liter liegt, nimmt er Richtung Schleswig immer weiter ab. Der Salzgehalt hat Auswirkung auf die Wasser- und Ufervegetation. Nicht jede Pflanze erträgt Salzwasser, Seerosen beispielsweise wachsen nicht in der Schlei. Dafür können wir an manchem Ufer die gelb blühende Sumpf-Gänsedistel (Sonchus palustris) entdecken. Die mit dem Löwenzahn verwandte Pflanze gehört zu den größten einheimischen Stauden in Schleswig-Holstein! Auch die Küsten-Arznei-Engelwurz (Angelica archangelica ssp. litoralis) gedeiht auf salzhaltigen Böden. Das Öl aus den Wurzeln und Samen dieser Heilpflanze ist ­Bestandteil von Kräuterlikören und Bitterschnäpsen.

Handel und Wandel

Warum es den Winkingern an der Schlei gefiel

Bereits im Mittelalter entdeckten die Wikinger die Schlei als Handelsweg. Nur 16 Kilometer Landweg liegen zwischen dem westlichen Ende der Schlei und dem Ort Hollingstedt an der Treene. Die Flüsse Treene und Eider verbinden ­Hollingstedt mit der Nordsee. Auch eingefleischte Seefahrer lockte der Landweg, denn die Route um Skagen (Nord-Dänemark) war lang und gefährlich und kostete vielen Seeleuten das Leben. Am Kreuzungspunkt zwischen dem von West nach Ost führenden Handels­weg Haithabu-Hollingstedt und dem von Nord nach Süd verlaufenden „Ochsenweg“ entstand die Wikinger-Metropole Haithabu. Der wikingerzeitliche Handelsplatz Haithabu mit dem Grenzbauwerk ­Danewerk wurde 2018 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Zu Zeiten der Wikinger lag die Schleimündung hier zwischen Wormshöft und Oehe. Sie versandete mit der Zeit. Die heutige Schleimündung besteht seit Ende des 18. Jahrhunderts. Mit Ausflugsschiffen oder einem eigenem Boot kann man Schleimünde mit seinem Lotsenhaus und dem kleinen Segelhafen erreichen.

Im Museum Haithabu wird
das Leben der ­Wikinger in einem
rekonstruierten Dorf lebendig.

Die heutige Schleimündung mit dem kleinen Leuchtturm entstand erst nach der Wikingerzeit.

Adeliges Wohnen

Güter in Schwansen

Charakteristisch für Schwansen sind die großen Adels­güter. Sie sind oftmals durch einen Wassergraben mit Zugbrücke gegen die Außenwelt abgegrenzt. Das Herren­haus mit große Freitreppe ähnelt nicht selten einem Schloss. Riesige Scheunen zeugen vom Wohlstand der Erbauer.
Die Blütezeit der Gutswirtschaft lag im 17. und 18. Jahrhundert. Die Bauern waren Leibeigene der Adelsfamilien, wie zum Beispiel derer von Reventlow, Rantzau oder von Ahlefeldt. Die Leibeigenschaft wurde Ende des 18. Jahrhunderts abgeschafft. Heute sind aus den Gutsherren von damals vielerorts Chefs von landwirtschaftlichen Unternehmen geworden. Auf einigen Gütern wohnen bis heute alteingesessene ­adlige Familien. Das hier an der Schlei gelegene Gut ­Bienebek ist beispielsweise Sitz der Herzogin zu Schleswig-­Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Das Herrenhaus Karlsburg in der Gemeinde Winnemark ähnelt dem Gottorfer Schloss.
Noch heute führt eine Allee – geradeaus
in 500m – zu dem Anwesen.

Das Gut Stubbe liegt direkt an der Schlei. Es dient immer wieder als Kulisse für Fernsehaufnahmen.

Die Fähre in Missunde quert die Schlei entlang am Ufer verankerter Stahl­seile. So kann die zeitweise starke Strömung das Schiff nicht vom Kurs abbringen.

In den Sommermonaten herrscht zu den Brückenöffnungen ein reger Betrieb auf der Schlei.

Von Angeln nach Schwansen und zurück

Die Brücken und Fähren

Die Schlei trennt die beiden Halbinseln Angeln und Schwansen voneinander. Früher spielten Gewässer als Transportwege eine verbindende Rolle, heute stellen sie eher ein Hindernis dar, das es zu überwinden gilt. Zwei Brücken verbinden die Halbinseln Angeln und Schwansen miteinander: Die Brücke in Lindaunis wird von Auto- und Radfahrern, Fußgängern und von der Regionalbahn Kiel-­Flensburg genutzt. Die Brücke in Kappeln wurde 2002 eingeweiht. Immer 15 Minuten vor einer vollen Stunde werden beide Brücken für den Schiffsverkehr geöffnet. Auch per Schiff lässt sich die Schlei queren: Die Fähre in ­ Missunde verbindet ganzjährig die Ortschaften Missunde auf der Halbinsel Schwansen und Brodersby auf der Halbinsel Angeln. Die Fähre hier zwischen Sundsacker und Arnis verkehrt nur im Sommerhalbjahr.

Mal Scholle, mal Karpfen

Süß- und Salzwasserfische an der Angel und im Netz

Mit ihren flachen Buchten, breiten Abschnitten, schmalen, tiefen Rinnen und breiten Schilfröhrichten bietet die Schlei vielen Fischarten einen geeigneten Lebensraum. Durch den von Ost nach West abnehmenden Salzgehalt variieren die Fischarten. In der östlichen Schlei kommen vor allem an Salzwasser angepasste Fischarten vor,
wie z. B. Dorsch, Butt, Wittling, Aal, Aalmutter, Hornhecht, Ostseeschnäpel und Meer­forelle. In der west­lichen Schlei dominieren Süßwasserfische wie Rotauge, Rotfeder, Brasse, Schleie, Zander und Karpfen. Wenn im Frühjahr Heringsschwärme zum Laichen in die Schlei ziehen, bevölkern Heringsangler u. a. den Kappelner Hafen. Zu Himmelfahrt locken die „Kappelner Heringstage“ Besucher in die reizvolle Stadt an der Schlei.

Fisch frisch vom Kutter:
In Maasholm, Kappeln, Arnis und Schleswig verkaufen die Fischer fangfrischen Fisch.

In Kappeln befindet sich der
letzte intakte Heringszaun
Europas.

Im Kappelner Museumshafen können auch wasserscheue Landratten Seeluft schnuppern und vom weiten Meer träumen.

Die Schlei ist ein beliebtes
Segelrevier. Zu Ferienbeginn
oder am Wochenende wird es auch mal etwas eng.

Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Auf der Schlei unterwegs

Die Schlei gilt als Paradies für Wassersportler: Ob im Segelboot, Kajak, Kanu oder Ruderboot: Auf dem Wasser erlebst Du die Schlei aus einer ganz neuen Perspektive. Stille Noore, enge Fahrwasser und verwunschene Ankerplätze – komm in direkten Kontakt mit Wasser, Wind und Wellen! Und welch ein Spaß, einmal unter einer der beiden Brücken hindurch zu fahren, während die Autofahrer vor herabgelassener Schranke warten ­müssen … Wer kein eigenes Boot besitzt, leiht sich einfach eins oder lässt sich von einem der vielen Ausflugsschiffe über die Schlei schippern. Landratten kommen hier in Kappeln auf ihre Kosten: Ein Gewirr aus Masten, Segeln, Schoten und dazwischen der ein oder andere Seebär – im Museums­hafen gibt es viel zu gucken. Einige Bootseigner bieten sogar die Möglichkeit, einmal auf einem alten Schoner die deutschen und dänischen Gewässer kennenzulernen.

Naturpark Hüttener Berge

Vor 10.000 Jahren lag das heutige ­
Schleswig-Holstein unter einem etwa
300 Meter hohen Eispanzer­ begraben.
In Norwegen lassen sich Gletscher
– wie hier der Brenndalsbreen –
immer noch bestaunen.

Vom 20 Meter hohen
Aussichtsturm geht der Blick
bei guter Sicht bis zur Ostsee,
nach Schleswig und nach Kiel.

Dem Eis sei Dank

Die Entstehung der
norddeutschen Berge

Nur zwei Meter fehlen dem Aschberg zu einer Höhe von 100 Metern, und im Wettbewerb „Berge in Schleswig-Holstein“ belegt er immerhin Platz 11. Die Landschaft der Hüttener Berge besitzt gebietsweise Mittelgebirgscharakter und wird daher auch schon einmal als „Kleiner Harz“ bezeichnet. Gegenüber der Zugspitze (2.962 Meter) und anderen Alpenbergen verdienen unsere norddeutschen Berge jedoch allenfalls den Titel „Hügel“. Den Eiszeiten – die letzte endete vor etwa 12.000 Jahren – verdankt Schleswig-Holstein seine Gestalt: Im Westen liegt die Marsch, in der Mitte die Geest und im Osten das Östliche Hügelland. Gletscher brachten gewaltige Mengen an Erde, Kies und Steinen aus Skandinavien in unsere Gefilde. Eisvorstöße und Schmelz­wässer modellierten die Landschaft. Kaum vorstellbar: Ohne Eiszeiten befänden wir uns an diesem Ort auf dem Meer! Ahoi!

Quer durchs Land

Der Nord-Ostsee-Kanal

Weit und gefährlich ist der Seeweg von der Ostsee zur Nordsee. Besonders Skagen, die Nordspitze Jütlands, ist eine windige Ecke. Viele Seeleute haben hier ihr Leben gelassen. Daher ist der Wunsch nach einer Abkürzung der Route nachvollziehbar. Der Fluss Eider, der in der Nähe von Kiel entspringt und statt in die nahe Ostsee in die Nordsee entwässert, gab den Verlauf des Eiderkanals vor. Von 1777 bis 1784 dauerten die Bauarbeiten. Der Kanal verband die Kieler Förde bei Kiel-Holtenau mit dem natürlichen Flusslauf der Untereider bei Rendsburg. Über die Eider ging es weiter zur Eidermündung in Tönning. Etwa 100 Jahre später drängten Strategen der kaiserlichen Marine zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals. Der deutschen Flotte sollte die Möglichkeit gegeben werden, „jederzeit von der Ostsee in die Nordsee zu gelangen, ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen“. Im Sommer 1895 ging der von ­Kaiser ­Wilhelm II. eröffnete Kanal in Betrieb.

Zur Kanaleröffnung geladene Gäste bekamen eine Erinnerungsmedaille: Nord- und Ostsee reichen einander die Hände.

Kaiser Wilhelm II. eröffnete 1895
den Kaiser-Wilhelm-­Kanal.
Der Kanal heißt heute
Nord-Ostsee-Kanal oder Kiel Canal.

Buchen und Eichen gehören zu
den häufigsten einheimischen
Laubbaumarten.

Buschwindröschen bedecken im
Frühling vielerorts den Waldboden.

Prima fürs Klima

Wald in Schleswig-Holstein

Auf der Rangliste der laubwaldreichsten Bundesländer Deutschlands belegt Schleswig-Holstein den zweiten Platz, obwohl nur 11 % der Landesfläche Schleswig-Holsteins von Wald bedeckt ist, und es als waldärmstes Bundesland gilt. Das Land Schleswig-Holstein hat sich für alle Waldbesitz­arten dem Leitbild der naturnahen Waldwirtschaft verpflichtet. Das Ziel sind vielfältige Wälder mit standortgerechten Baumarten und einer ausgewogenen Altersstruktur. Von den insgesamt 173.412 Hektar großen Waldflächen des Landes bewirtschaften die Schleswig-Holsteinischen ­Landesforsten (SHLF) 50.000 Hektar und stellen als FSC- und PEFC-­zertifizierter Landesbetrieb bereits seit Jahrzehnten sicher, dass nachhaltig und naturnah nach strengen ­ökologischen und sozialen Maßstäben gewirtschaftet wird. So entstehen in Schleswig-Holstein vielfältig ­strukturierte, stabile und ­leistungsfähige Mischwälder, in denen die Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen für die Umwelt und für ­kommende Generationen erhalten bleiben.

Neue Artenvielfalt

Naturschutz am Bistensee

Zweieinhalb Kilometer lang, ein Kilometer breit und maximal 14 Meter tief, das ist der Bistensee in Zahlen. Läuft man einmal auf dem gut zwölf ­Kilometer langen Wanderweg um den See herum, benötigt man etwa drei Stunden. Der Name des während der letzten Eiszeit entstandenen Gewässers leitet sich vermutlich von „Binsensee“ ab. ­Tatsächlich befinden sich an den Ufern dichte Schilfgürtel, die vielen Vögeln während der Brutzeit Schutz bieten. Wie die meisten Seen in Schleswig-Holstein hat der Bistensee mit Nährstoffeinträgen aus den angrenzenden Feldern zu kämpfen. 2018 startete daher eine Initiative zur Verbesserung der Gewässer­qualität. Landwirte stellen ufernahe Flächen für 20 bis 30 Jahre dem Naturschutz zur Verfügung. Statt landwirtschaftlich intensiv genutzter ­Wiesen und Äcker werden in Zukunft blütenreiche ­Grünlandflächen Mensch und Tier erfreuen. Dünger ist auf diesen Flächen tabu. Gezahlt wird das Projekt teilweise aus Ersatzgeldern, welche dem Kreis durch den Ausbau der Windkraft zur Verfügung stehen.

Blühende Zukunft: Ungedüngte,
artenreiche Wiesen statt monotoner
Maisäcker am Ufer des Bistensees

Auf einer Wanderung um den
­Bistensee eröffnen sich ­
i­mmer wieder schöne Ausblicke

In der Baumkirche auf dem
­Kolonisten­hof werden in den Sommermonaten Gottesdienste ­unter freiem Himmel abgehalten.

Die ersten Kolonisten fanden zunächst in behelfsmäßigen Unterkünften Zuflucht. Auf dem Kolonistenhof wurde eine solche Erdhütte entdeckt und im alten Zustand wiederhergestellt.

Wenn die Freiheit lockt

Kolonisten auf der Geest

Die Geest, der Mittelrücken Schleswig-Holsteins, hat mit seinen mageren Sand- und Moorböden für die Landwirtschaft nicht viel zu bieten. Mitte des 18. Jahrhunderts warb der dänische König in der Pfalz, in Baden, ­Württemberg und Hessen um Siedler, die mit ihren Steuern zukünftig den teuren Königshof und das Heer mitfinanzieren ­sollten. Sein Versprechen an die Siedler: Eine Erbpachtstelle mit Haus, Vieh, Ackergerät, 20 Jahre Steuerfreiheit, Tagegeld bis zur ersten ausreichenden Ernte und Reisegeld. Knapp 4.000 Siedler erreichten 1762 die schleswigsche Geest. Das Projekt scheiterte – die Höfe auf den ­mageren Böden konnten trotz aller Mühe die Kolonisten­familien nicht ernähren. Auf dem „Kolonistenhof“, einer Einrichtung der ­Diakonie hier ganz in der Nähe, informiert eine ­Ausstellung über die Entstehung der  Hüttener ­Berge, die ­hiesige Tier- und Pflanzenwelt sowie das schwere Leben der ­Kolonisten. ­Das Außengelände mit Naturerlebnis-­­Stationen, ­Tier­­gehegen und Skulpturen­weg ist ganzjährig zugänglich.

Das musst Du knicken!

Die Knicklandschaft in
den Hüttener Bergen

Wer zum ersten Mal im östlichen Hügelland ­Schleswig-Holsteins unterwegs ist, bekommt möglicherweise den Eindruck, das nördlichste ­Bundesland sei ­relativ dicht bewaldet. Doch der Eindruck täuscht. Es sind die etwa 46.000 Kilometer Knick, die die norddeutsche Wald­armut kaschieren. Ende der 1770er  Jahre wurde das Land im ­Rahmen der Verkoppelung in Parzellen aufgeteilt und den einzelnen ­Bauern als Eigentum zugewiesen. Diese waren verpflichtet, ihre Äcker mit Wallhecken, den Knicks, von benachbarten Koppeln ­abzugrenzen. Die Knicks dienten als natürliche Zäune, die ­
gleichzeitig zur Versorgung mit Holz beitrugen. Noch in den 1950er Jahren gab es fast doppelt so viele Knicks wie heute. Die Flurbereinigung in den 1960er und 70er ­Jahren führte zum Abholzen vieler Wallhecken. Rund um den ­Wittensee, die Duvenstedter und Hüttener Berge bis hinauf zur Schlei hat sich glücklicherweise vielerorts ein gut ausgeprägtes Knicknetz erhalten. Knicks stehen mittlerweile unter gesetzlichem Schutz.

Das dichte und artenreiche Knicknetz in den Hüttener Bergen bildet ­einen wichtigen Biotopverbund.

Dornensträucher wie der
Weißdorn machen Knicks zu
undurchdringlichen Hecken. ­
Ein Paradies nicht nur für brütende Singvögel!

Vorher: Durch Ausbau und Begradigung der Kleinen Hüttener Au ­sollte das überschüssige Wasser besser und schneller aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen abfließen.

Nachher: Die Kleine Hüttener
Au ­südlich Fleckeby nach der Renaturierung. Der Bach
kann wieder mäandrieren.

Ein Bach sucht sein Bett

Die Renaturierung der
Kleinen Hüttener Au

Die Kleine Hüttener Au entspringt in Fellhorst und mündet nach ca. 2,5 Kilometern bei Fleckeby in die Große ­Hüttener Au. Diese mündet etwas weiter nördlich in die Schlei. Im Zuge der Flurbereinigung 1970 wurden die Große und die Kleine Hüttener Au begradigt. Ziel war die  Entwässerung ­angrenzender Ländereien. Naturschutz­belange spielten ­damals kaum eine Rolle. Mittlerweile hat ein Umdenken zugunsten des Naturschutzes stattgefunden. Seit dem Jahr 2000 regelt die ­EU-Wasserrahmenrichtlinie den Gewässerschutz. Bis ­spätestens 2027 sollen europaweit natürliche ­Gewässer einen guten ökologischen Zustand vorweisen. 1993 begannen die Bemühungen um die Kleine ­Hüttener Au. Inzwischen hat der Bach wieder Platz, um sich schwungvoll seinen Weg durch den Talraum zu suchen. Überzeuge Dich selbst: Gehe diesen Wanderweg etwa 100 Meter Richtung Fleckeby und biegen dann nach Süden ab. Nach weiteren 250 Metern steht man an der Au. Vielleicht entdeckst Du sogar einen Eisvogel!

Holz für die Hütten

Gewinnung von Holzkohle
in den Hüttener Bergen

Ortsnamen geben oft Aufschluss über die Besonderheiten einer Region. Wie kamen die Hüttener Berge zu ihrem Namen? Waren es Glashütten, die zu dem Namen führten? Hinweise auf eine Glashütte befinden sich tatsächlich nicht weit von hier im Dorf Ascheffel. Im Ort Hütten selbst jedoch konnte die Existenz einer Glashütte nicht nachgewiesen werden. Vielleicht gab es dort eine Eisen- oder Salzhütte, möglicherweise rührt der Name aber auch von einem Adligen her, dem hier einst Ländereien gehörten. Da Glashütten binnen weniger Jahre den ­umliegenden Wald „verbrauchten“, wechselten sie
regel­mäßig ­ihren Standort. So ist heute schwer nachvollziehbar, ob es neben der Ascheffeler Hütte weitere Glashütten in den Hüttener Bergen gab. Gewiss aber ist, dass die Hüttener Berge im Mittelalter von einem ausgedehnten Urwald bedeckt waren. Der enorme Bedarf an Holz bzw. Holzkohle des Gottorfer Hofes im nahen Schleswig führte zu einer fortschreitenden Entwaldung. Bauern aus der Region mus­sten sogar so genannte „Pflichtkohle“ an den Hof abliefern. Mit der verstärkten Nutzung von Steinkohle ab dem 18. Jahrhundert ging die Köhlerei immer mehr zurück.

Als Waldglas bezeichnet man durch
Eisenoxide grünlich gefärbtes ­
Pottascheglas, das früher in ­Waldglashütten hergestellt wurde.

Herstellung von Holzkohle
in einem Kohlenmeiler.

Naturpark Westensee

Der ehemalige Getreide­speicher in ­
Achterwehr ­befindet sich heute in Privatbesitz.

Die fast fertige Strohbrücker Schleuse, im Vordergrund wird ein Klapptor eingebaut (Foto vom 12. Juli 1912).

Die Schleuse Strohbrück

Kanalgeschichte erleben

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte der Bau des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) die Landschaft rund um den Westensee erheblich. So lag der Wasserspiegel im nahe gelegenen Flemhuder See vor dem Kanalbau fast sieben Meter höher als heute. Durch die Verbindung mit dem NOK wurde er auf Meeresniveau abgesenkt. Damit dadurch nicht auch dem über die Eider mit dem Flemhuder See verbundenen Westensee buchstäblich der Stöpsel gezogen wird, baute man einen Ringkanal um den Flemhuder See. Den Höhenunterschied vom so geschaffenen „Achter­wehrer Schifffahrtskanal“ zum NOK überwand die imposante Schleuse hier in Strohbrück. Durch die Schleuse bekamen die Orte ­­Achterwehr und Flemhude eine schiffbare Verbindung zum NOK. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde vor allem Getreide transportiert, das Korn lagerte in dem großen Speichergebäude in Achterwehr. Mit der Verlagerung der Getreide­transporte auf die Straße verlor der Kanal an wirtschaft­licher Bedeutung – heutzutage ­genießen ­Einheimische und Touristen das attraktive Paddel- und ­Angelrevier. Die Schleuse ­Strohbrück ist seit 2001 nicht mehr in Betrieb, der Wasserstand wird nun über ein Wehr geregelt.

Die Eiderbrücke

Zu Fuß über den längsten Fluss Schleswig-Holsteins

Das landschaftlich äußerst reizvolle Eidertal lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein. Die alte Holzbrücke über die hier zwischen dem Westensee und dem Ort Achterwehr verlaufende Eider wurde 2014 durch eine neue Konstruktion aus Stahl ersetzt. Richtung Südosten bietet sich ein großartiger Blick auf die Ufer- und Wiesenlandschaft im Rand­bereich des Westen­sees. Der Name Eider leitet sich wahrscheinlich von Egidor (Fluttor, Schreckenstor) ab und spielt auf den Meer­es-Riesen Ægir an. Dieser wurde in der nordischen Mythologie für Fluten und Schiffsunglücke verantwortlich gemacht. Während ­früher ­Lastenkähne auf dem längsten Fluss Schleswig-Holsteins unterwegs waren, nutzen heut­zutage ausschließlich Paddler das Gewässer für Ausflüge in die Natur. Der Ahrensee und der nordöstliche Westensee sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die umliegenden Wiesen an der Eider gehören zum Biotop­verbundsystem Schleswig-­Holstein.

Die Eider gehört zu den
schönsten Kanurevieren
Norddeutschlands.

Die im Jahr 2014 neu erbaute
stählerne Eiderbrücke

Abschnitt des Naturparkwanderwegs
mit Gütern rund um den Westensee

Der 1896 errichtete
Wasser­turm auf Gut
Bossee

Gutslandschaft Westensee

Auf den Spuren alter Adelsfamilien

Die Region rund um den Westensee ist eine historisch gewachsene Gutslandschaft mit gut erhaltenen stattlichen Herrenhäusern – eng verbunden mit den Namen alter Adelsfamilien wie Ahlefeld, Rantzau oder Reventlow. Sie prägten über Jahrhunderte Leben und Landschaft. Viele land- und forstwirtschaftliche Flächen werden noch heute durch die Güter bewirtschaftet. Im Mittelalter gehörten die ­Flächen Angehörigen des ­Westenseer Rittergeschlechts. Nachdem im 14. Jahrhundert die Pest fast die gesamte Bevölkerung ausgerottetet hatte, ­gingen die Besitzungen an die Familie Ahlefeld über. Anders als die ­Ritter betrieben die neuen Herren selbst Landwirtschaft und gründeten die Güter ­Westensee, ­Bossee und Nienhof. Das Gut Bossee befindet sich hier ganz in der Nähe. Es wurde 1470 erstmals erwähnt und gilt damit als das älteste Gut der Region. Nach häufigen Besitzerwechseln erwarb die ­Familie von Bülow 1824 das Gut und bewirtschaftet es noch heute. Detlev von Bülow ließ das Torhaus durch einen Wasserturm ersetzen, der den Hof noch bis weit ins ­20. Jahrhundert hinein mit ­Wasser versorgte.

Die Läkeburg

Geldgierige Ritter

Im 13. und 14. Jahrhundert führte ein Handelsweg von Kiel über die Eider und den Westensee weiter Richtung Westen zur Nordsee. Vorwiegend flämische Kaufleute nutzten die Orte ­Flemhude und Hohenhude als Lager- und Umschlagplatz für ihre Waren. In der Westensee-Region siedelnde Ritter wussten ­daraus Profit zu schlagen: Sie bauten gleich zwei ­Burgen, einmal die Läkeburg auf der Insel Lohburg und die Hohburg auf der gegenüberliegenden Halbinsel Börner. Von dort aus kontrollierten sie den Schiffsverkehr auf dem See. Nachdem sie zunächst für den Schutz des Handelswegs sorgten, forderten sie bald deftige Abgaben von den Kaufleuten. Diese Raub­ritterei hielt nicht lange an. Söldner aus Lübeck zerstörten Mitte des 14. Jahrhunderts beide Burgen und Ritter Marquard von Westensee kam vor Gericht. Übrigens: Die Insel Lohburg hat heutzutage Verbindung zum Seeufer und trennt als Halbinsel den ­Bossee vom Westensee.

Alles unter Kontrolle: Von den beiden
Burgen aus hatten die Ritter den Schiffsverkehr auf dem Westensee gut im Blick
(Karte von 1896).

Vermutlich handelte es sich bei den
beiden ­Burgen am ­Westensee um
so genannte Motten. Das Foto zeigt
die Rekonstruktion einer solchen
mittelalter­lichen ­Burganlage in
Lütjenburg (Ostholstein).

Nach oben gucken lohnt sich:
Der Seeadler kreist oft
über dem Westensee.

Lernen mit Aussicht:
Umweltbildung mit Schul-
kindern auf dem Tüteberg

Der Westensee

Mittelpunkt des Naturparks Westensee

Der Westensee bildet als fünftgrößter See Schleswig-Holsteins das Zentrum des Naturparks Westensee. Das Seebecken ist von hohen Endmoränenzügen umgeben und wird von der Eider durchflossen. Im Ort Westensee liegt der Tüteberg – mit einer Höhe von 88 Metern über NN ist er der zweithöchste Berg des Naturparks. Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals Ende des ­19. Jahrhunderts führte im Westensee zu einer Absenkung des ­Wasserspiegels um etwa 75 Zentimeter. Die trockengefallenen Bereiche sind heute meist sumpfig und mit Bruchwald bewachsen. Zahlreiche Buchten
und ­Flachwasserbereiche des kalkreichen Sees beheimaten eine artenreiche und seltene Pflanzen- und Tierwelt. Der nordöstliche Westensee ist als EU-Vogelschutz­gebiet ausgewiesen.
In den Uferröhrichten brüten unter anderem ­Rohrdommel und Rohrweihe. Der Eisvogel findet ­
geeignete Lebensräume in kleinen Abbruchkanten oder Wurzel­tellern umgestürzter Bäume.
In den umliegenden ­natur­nahen ­Laub­wäldern brüten Schwarzspecht und Seeadler.

Die Arche Warder

…mehr als ein Tierpark

Die Arche Warder ist Europas größter Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen. Hier leben in einem 40 ha großen Landschaftstierpark etwa 1.200 Tiere aus 84 Rassen sowie sieben Wildtierarten, die als Stammformen unserer Haustiere gelten (z. B. das Wildschwein, die Bezoarziege und das Bankivahuhn). Im Landschaftstierpark sind alle Tiergehege optimal an den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet und fügen sich harmonisch in den Naturpark Westensee ein. Hier kann man die Seele ­baumeln lassen und entschleunigen! Für die Besucher ist eine hautnahe Begegnung und direkte Nähe zu den Tieren möglich, z. B. in der Ferkelstube und dem Streichelhof. In der Arche ­Warder wird u. a. gezeigt, welche Bedeutung Haustierrassen für die kulturelle Entwicklung des Menschen hatten.

Die Arche Warder arbeitet für die ­Erhaltung gefährdeter Rassen auf fünf Ebenen:

  • Schutz durch Erhaltungszucht
  • Schutz durch Etablierung von Satelliten­stationen (Flächen ­außerhalb des Tierparks, auf denen Rassen gehalten werden)
  • Schutz durch Bildung
  • Schutz durch Vernetzung mit nationalen und internationalen Institutionen
  • Schutz durch Forschung

Dazu wurde – einmalig in einem Tierpark – ein Steinzeitdorf mit Schaftierhaltung nachgebaut, wie man es sich wohl in der Jungsteinzeit vorstellen darf, als das Zusammen­leben von Mensch und Tier begann. Grillplätze, ein Naturspielplatz, Ferienwohnungen und Übernachtungshütten mitten im Tierpark runden das vielfältige Angebot der Arche Warder ab.

In der Arche Warder leben zehn verschiedene Schweine­rassen, u. a. die schwedischen Linderöd Ferkel.

Der Poitou-Esel ist die schwerste Eselrasse der Welt.

Die Weibchen des Kleinen Wiesen­vögelchens
legen ihre Eier an trockenen ­Stängeln
niedrigwüchsiger Gräser ab.

Das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella) ist ein typischer Bewohner der Sandmagerrasen.

Der Magerrasen

Düngen nicht erwünscht!

Die vor Ihnen liegenden Flächen dienten in den 1950er und 60er Jahren dem Kiesabbau. Nach der Nutzungsaufgabe wurden die Abbau­gruben mit Sand verfüllt. Der Boden ist sehr nährstoffarm – eine Seltenheit inmitten der intensiv genutzten und gedüngten Agrarlandschaft Schleswig-Holsteins. Seit Aufgabe des Boden­abbaus überließen die Eigentümer die Flächen weitgehend sich selbst. So konnte sich eine an die besonderen Standort­verhältnisse angepasste Vegetation entwickeln. Typische Pflanzenarten solch trockener und nährstoff- armer Standorte sind das Silbergras und das Kleine Habichtskraut. Einzelne Birken und Kiefern verleihen der ­Fläche einen park­artigen Charakter. Insbesondere Insekten sind an den Lebensraum Magerrasen angepasst. Hier leben unter anderem viele verschiedene
Käfer-, Heuschrecken- und Hautflüglerarten. Am Boden lassen sich mit etwas Glück auf Beute lauernde Spinnen beobachten. Das Kleine Wiesenvögelchen, ein Schmetterling, geht auf den hier vorkommenden Blütenpflanzen auf Nektarsuche.

Baden im Wardersee

Hinein ins kühle Nass

Der Wardersee ist ein beliebter Badesee mit überwiegend guter Wasser­qualität. Hier gibt es attraktive gut ausgestattete Badeplätze. Die Badestelle im Bereich der Ortschaft Warder bietet eine gute Infra­struktur mit Kiosk, Imbiss und Sanitäranlagen. Auf der leicht zum See hin abfallenden Liegewiese haben Badegäste die Wahl zwischen sonnigen und schattigen Plätzchen. Ein Badesteg führt tief ins Wasser. Im See sorgt ein vorgelagerter Ponton für Badespaß. Aber nicht nur Badefreunde fühlen sich hier wohl. Im Gewässer leben u. a. Aal, Barsch, Hecht und ­Zander. Kein Wunder also, dass Petrijünger den See als Angelrevier schätzen. Der Wardersee ist im Südosten über eine Landenge direkt mit dem Brahmsee verbunden. Hier genoss der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zusammen mit seiner Frau Hannelore über viele Jahre nicht nur seine Freizeit – in seinem Sommerhaus empfing er auch Gäste aus internationaler Politik und Wirtschaft.

Von 1958 bis 2015 verbrachte der ehemalige ­Bundeskanzler Helmut Schmidt immer wieder Zeit in seinem
­Ferienhaus am benachbarten Brahmsee.

Toller Hecht: Ausgewachsene
Exemplare ­bringen über 20
Kilogramm auf die Waage!

Die meisten Werke Ben Siebenrocks
sind aus ­Findlingen gearbeitet,
wie hier die Skulptur „Balou“.

Mit dem fünfeinhalb Meter großen „Lichtblick“ wurde im ­Frühjahr 2008 der Grundstein für den Steinpark Warder gesetzt.

Der Steinpark Warder

Begegnung von Landschaft und Skulptur

Seit 2009 zeigt der Steinpark Warder in idyllischer Landschaft auf dem Gut Seehof am Wardersee Steinskulpturen des 2018 verstorbenen Bildhauers Ben Siebenrock. Die Anlage liegt am Rand des Kiesabbaugebiets der Firma Glindemann. Seit 1996 arbeitete Ben Siebenrock mit Familie Glindemann zusammen. Diese will mit der Open-Air-Galerie zeigen, dass aus den Abbau­produkten einer Kiesgrube nicht nur Beton und Straßen entstehen können, sondern auch Kunst. Der Künstler nutzte bereits seit 1995 in großem Stil Findlinge für seine Skulpturen – ein Material, das gewisser­maßen vor der eigenen Haustür liegt. Daneben sind Skulpturen aus anderen Natur­steinen und Kunststein zu sehen. So können die Besucher den gesamten Entwicklungsprozess der Kunst Ben Siebenrocks in Stein erfahren. Die Skulpturen stehen auf Privatgelände und können nur an wenigen Tagen im Jahr besichtigt werden.
Öffnungszeiten und Führungen unter www.ben-siebenrock.com/steinpark-warder.

Die Bokeler Au

Vom Entwässerungsgraben zur Lebensader

Zwischen 1996 und 2013 entwickelte sich die Bokeler Au in fünf Bauabschnitten von einem schnurgeraden Graben zu einem geschwungenen Bach mit naturnahem Uferbewuchs. ­Während früher die landwirtschaftlichen Nutzflächen meist unmittelbar an das Gewässer grenzten, sorgt nun ein Schutz­streifen u. a. aus Erlen und Weiden dafür, dass Dünger und Pflanzenschutz­mittel nicht direkt in das Gewässer gelangen. An einigen Stellen wurden Steine in das Bachbett gelegt und die Ufer abgeflacht, um die Fließgeschwindigkeit des Baches zu
verringern. Auf diese Weise entstanden ­beruhigte Gewässerzonen, die vielen im Bach lebenden ­Tierarten als Kinderstube und Rückzugsraum dienen. Durch das Fließen über große und kleine Steine wird das Wasser belüftet und gereinigt. So steht auch am Gewässergrund wieder lebenswichtiger Sauerstoff zur Verfügung und die Wasserqualität steigt. Die struktur­reiche Bokeler Au ist nun wieder Lebensraum für viele Kleinst­lebewesen und Fische.

Eher ein Graben als ein Bach:
So sahen weite Abschnitte der ­
Bokeler Au vor der Renaturierung aus.

Naturnähe erwünscht:
Viele Insekten wie diese Eintagsfliege verbringen die meiste Zeit ihres Lebens als Larve in Gewässern.

Naturpark Aukrug

Das Vorkommen des Bibers ist leicht an typischen Nage­spuren an gewässer­nahen Gehölzen zu erkennen.

Das begradigte Flußbett der Stör vor Durchführung der Renaturierungsmaßnahmen.

Ein Fluss wird lebendig

Renaturierung der Stör

Im Rahmen der Flurbereinigung in den vergangenen Jahrzehnten wurde die Stör begradigt und die Lebensräume im Bach und im Uferbereich wurden zerstört. 2020 bekam die mittlere Stör zwischen Kellinghusen und der Bünzau-Mündung bei Sarlhusen auf elf Kilometern Länge ein ganz neues Gesicht. In dem Jahr wurden umfangreiche vom Land und von der EU geförderte Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. So können sich strömungsberuhigte Flachwasserzonen und verengte Abschnitte mit hoher Fließgeschwindigkeit abwechseln. Zu diesem Zweck wurden großflächige Verschwenkungen (= Flußbettschleifen) mit einer Länge von jeweils 100 bis 700 Metern angelegt. Totholz, Kies- und Geröllstrecken sowie Ufergehölze ermöglichen eine vielfältige und dynamische Entwicklung des Ge­wäs­sers und bieten vielfältige Lebens­bedingungen für Flora und Fauna. Vielleicht wird sich hier auch der an der Bünzau flußaufwärts bereits heimische Biber wieder ansiedeln. Im Naturpark Aukrug gibt es das einzige Vorkommen von Bibern im Binnenland Schleswig-­Holsteins. Auch der blau schillernde Eisvogel lässt sich mit etwas Glück an solch natur­nahen Gewässern beobachten.

Paddeltour auf der Stör

Kanusport im Naturpark Aukrug

Naturnahe Gewässer, die bewegte abwechslungsreiche Landschaft und vielfältige Strömungsverhältnisse machen eine Paddeltour auf der Stör zwischen Arpsdorf und Kellinghusen zu einem Erlebnis. Überraschende Ausblicke und besondere Begegnungen mit Flora und Fauna an den Uferzonen sind garantiert. Der Abschnitt zwischen Willenscharen und Arpsdorf wurde 2009 renaturiert. Seitdem kann sich der Fluss mit seinen Mäandern (Flussschleifen) natürlich entwickeln. Die Teil­strecke Kellinghusen und Sarlhusen wurde südwestlich des Standortes renaturiert. Die etwa viereinhalb Stunden dauernde Paddeltour eignet sich auch für ungeübte Wassersportler und Familien mit Kindern. Flachwasserbereiche locken Watvögel wie Flussuferläufer und Waldwasserläufer an. In den Steilufern brüten sogar Eisvögel. Auch Stock- und Reiherenten sowie Brand- und Kanadagänse haben sich hier angesiedelt.

Der Kanusport erfreut sich im Naturpark Aukrug großer Beliebtheit.

Der naheliegende Wallberg ist eine historische Burganlage, die seit 1940 unter Denkmalschutz steht. Bei einem ­kleinen Rundgang genießt Du von seiner Kuppe einen herr­lichen Ausblick über die Störniederung.

Die Fischteichareale bieten wertvolle Lebensräume für viele Amphibienarten, wie zum Beispiel den Teichfrosch (Pelophylax „esculentus“)

Die Forelle (Salmo trutta) wird häufig in Fischteichen kultiviert. Auch Zander, Schleie und Karpfen fühlen sich hier wohl.

Lebensraum Fischteich

…nicht nur leckerer Speisefisch

Sarlhusen war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahr­hunderts ein adliges Gut mit angegliedertem Bauerndorf. Das Torhaus des Gutes aus dem 17. Jahrhundert ziert das Gemeinde­wappen. In der unteren Wappenhälfte verweisen zwei  Forellen auf die seit über 150 Jahren belegte Forellen­zucht in der Region. Bis in die Gegenwart blieb ­dieser Wirtschaftszweig eine wichtige Einkommensquelle. Noch heute hat eines der größten Fisch­zucht- und Fischerei­­unternehmen in Schleswig-Holstein seinen Sitz in ­Sarlhusen. Der Familien­betrieb füttert und fischt Süßwasser­fische bereits in vierter Generation. Der Naturpark Aukrug ist bekannt für seine Teichwirtschafts-Tradition. Viele kleine Fischteiche fügen sich vielerorts zu wahren Teichlandschaften zusammen. Sie bieten ein Refugium für Amphibien und Wasservögel. Im Sommer sind Froschkonzerte laut und deutlich über weite Strecken zu hören. Auch Ringelnattern und See­adler ­lassen sich an den Teichen beobachten.

Tierische Landschaftspfleger

Der Verein ERNA und seine Auerochsen

Im Talraum der Bünzau sicherte die Schrobach-Stiftung zahlreiche Flächen für den Naturschutz und legte etliche naturnahe Gewässer an. Sehenswert sind die den ausgestorbenen Auerochsen ähnlichen Heckrinder des Vereins ERNA (siehe Infokasten). Die robusten Rinder bleiben ganzjährig draußen und sorgen als vierbeinige Landschaftspfleger dafür, dass die Flächen nicht verbuschen. Seltene Pflanzen- und Tierarten werden durch die Art der Beweidung geschützt und gefördert.

ERNA e.V.
(Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Au­krug)

Der im Naturschutzring gegründete Verein pflegt mit seinen urtümlichen Heckrindern seit 2002 wertvolles Grünland. Die Mitglieder kümmern sich mit viel ehrenamtlichem Engagement um die Rinder und die Entwicklung der mittlerweile vier Weidelandschaften (zusammen 170 Hektar) an der Bünzau, der Buckener Au sowie am Kirchweddelbach in Fitzbek.

Nur in sehr harten Wintern müssen die Rinder zugefüttert ­werden. Dafür steht ein so­genann­ter Göpelschauer zur Verfügung. Das historische Holzgebäude stand ursprünglich auf dem Gut Hohenholz bei Bad ­Oldesloe und wurde von den Vereinsmitgliedern im Aukrug wieder aufgebaut.

In Göpelschauern standen früher Maschinen, die über eine Stange – den Göpel – von Tieren angetrieben wurden.

Beim Heckrind handelt es sich um eine Kreuzung verschiedener Rassen, die in ihrem Aussehen dem Auerochsen nahe kommt. Dieser war seit dem 17. Jahrhundert ausgerottet. Die ­Brüder Heck kreuzten seit den 1930er Jahren u. a. ­Spanische Stiere, Schottische Hochland­rinder und ­Ungarische Steppenrinder – ein Grund für das recht unterschiedliche Aussehen der Tiere.

Arnika (Arnica montana) ist eine mehrjährige, aromatisch ­duftende Staude aus der Familie der Korb­blütler. Durch ihre Heilwirkung ist die Pflanze vielen Menschen bekannt.

Entwässerung und Torf­abbau führte überall in Schleswig-Holstein zum Verlust von Moorflächen.

Moorschutz ist Klimaschutz

Hochmoor mit Arnikawiese

Das ehemalige Hochmoor, in dem bis in die Nachkriegsjahre Torf als Heizmaterial abgebaut wurde. Schon damals wurde der Wasserstand gesenkt, so dass die typische Hochmoorvegetation größtenteils verschwand und sich Birken ausbreiteten. Heute herrscht hier wechselfeuchtes Grünland vor. Intakte Moorböden sind weltweit besonders bedeutend, wenn es um die Bindung von Kohlenstoff geht und damit um den Klimaschutz. Torf besteht aus unvollständig abgebauten Pflanzenresten und damit fast komplett aus Kohlen­stoffverbindungen. Werden Moore entwässert, entweicht der Kohlenstoff in Form von klimaschädlichem CO2. In Deutschland wurden in der Vergangenheit mehr als 95 % der Moorböden entwässert, vorwiegend zur Förderung der Land- und Forstwirtschaft.Die Kurt und Erika Schrobach-Stiftung bewahrt hier die größte natürliche Arnikawiese Schleswig-Holsteins.

Freiheit für Die Sellbek

Entrohrung schafft Lebensraum

Die Sellbek schlängelt sich auf einer Länge von ungefähr dreieinhalb Kilometern von ihrer Quelle südlich von Aukrug im Naturschutzgebiet Tönsheider Wald bis zur Mündung in die Bünzau. Im Winter 2019 wurde das letzte Stück des Fließgewässers mit Unterstützung des Naturschutzringes Aukrug und der Schrobach-­Stiftung entrohrt. Heute kann sich der Bach wieder in einem natürlichen Bett entwickeln. An der Sellbek leben wunderschöne Prachtlibellen. Sie besiedeln naturnahe Fließgewässer mit strömungsberuhigten Bereichen. Die Larven entwickeln sich zwischen Wasser­pflanzen oder Erlenwurzeln. Bei uns gibt es zwei Arten: Die Blauflügel-Pracht­libelle und die Gebänderte Prachtlibelle. Libellen sind hervorragende Flieger, die abenteuerliche Flugmanöver ausführen. Einige können sogar rückwärts fliegen. Es lohnt sich, sie einmal in Ruhe zu beobachten.

Seit 2019 fließt die Sellbek wieder in einem natürlichen Flußbett und bietet Flora und Fauna einen vielfältigen Lebensraum.

An der Sellbek heimisch: die Blau­flügel-­Pracht­libelle. Die erwachsenen Tiere sind an ihrer metallisch blauen oder grünen bis bronzeschillernden Färbung zu erkennen. Im Flug fallen besonders die Männchen mit ihren dunkelblau schimmernden Flügeln auf.

Der Name der Köcherfliegen geht auf die Köcher zurück, die die Larve sich mit Hilfe von Spinndrüsen aus Sand, Kieseln oder Pflanzenresten schafft.

Die Sumpfdotterblume wächst in Sumpf­wiesen, an Quellen,
Bächen und Gräben.

Lebensader Bach

Bredenbek

Nirgendwo sonst ist die Artenvielfalt so groß wie in, an und auf naturnahen Gewässern. Sie gehören zu den dynamischsten Lebensräumen der Erde. Wo Wasser ständig in Bewegung ist, gibt es keine ruhenden Zustände. Ständige Veränderungen sind in naturnahen Fließgewässern allgegenwärtig: Bei Hochwasser brechen Ufer ab, Sand und Kies werden an anderer Stelle wieder abgelagert. Es entstehen neue Lebensräume. Nass und trocken im Wechsel schaffen extreme Lebensverhältnisse auf engstem Raum. Der aquatische Bereich umfasst den ständig mit Wasser bedeckten Teil des Gewässers. Das ist der Lebensraum der Wasserpflanzen und -tiere, wie der Fische z.B. Elritze, Köcherfliegen- und Libellenlarven oder Bachflohkrebse. Im angrenzenden amphibischen Bereich schaffen wechselfeuchte Bedingungen – mal trocken, mal überspült – die Lebensbedingungen für auf diese Standorte spezialisierte Arten wie Sumpfdotterblume, Wasserspitzmaus, Libellen oder Graureiher. Auch der sogenannte terrestrische Bereich – die Aue – beherbergt in naturnahem Zustand ganz besondere Arten wie Erle, Sumpfschafgarbe oder Köcherfliege.

Erlebbare Vergangenheit

Wassermühle und Dat Ole Hus

Nicht weit von hier steht die über 450 Jahre alte Bünzer Wasser­mühle. Sie ­diente dem Mahlen von Korn. 1769 wurde das Mühlen­gebäude, das seine Ursprünge in mittelalterlichen Zeiten hat, neu errichtet. Das Wasserrad ist nicht mehr in Betrieb. Weit über Aukrug hinaus bekannt ist „Dat ole Hus“. Edith und Werner Hauschildt erwarben diese alte Kate 1961 und wirkten bis 2016 in ihrem privaten Museum in Aukrug-Bünzen. Es befindet sich heute im Besitz der Gemeinde Aukrug und wird vom Museumsverein „Dat ole Hus“ e.V. ehrenamtlich betrieben. Den Kern des Museums bildet eine um 1700 erstmals errichtete und 1804 nach einem Brand wieder aufgebaute reetgedeckte Kate, in der die bäuerliche Wohnkultur der Region des 18. und 19. Jahrhunderts gezeigt wird. Im Rahmen von Führungen können die Innenräume besichtigt werden. Die Besucher werden förmlich mit allen Sinnen in ein längst vergangenes Jahrhundert hineingezogen.

Im Inneren der Wassermühle befindet
sich eine komplette Einrichtung mit Kegelrad und Stirnradgetriebe für zwei Mahlgänge und einer Quetsche.
Die Wassermühle kann leider nicht mehr besichtigt werden.

Ein reetgedecktes niederdeutsches Fachhallenhaus bildet das Kernstück des Museums „Dat Ole Hus“.

In den 1920er Jahren züchteten die Brüder Heinz und Lutz Heck die Hausrinderrasse „Heckrind“. Die Tiere mit den langen Hörnern besitzen ein dickes Winterfell und können daher ganzjährig auf der Weide bleiben.

So könnte es hier ausgesehen haben:
Nachbau einer Turmhügelburg in Lütjenburg.

Zeugen des Mittelalters

Turmhügelburg und Extensivweide

Ein kleiner bewaldeter, von einem Graben umgebener Hügel: Hier haben vor langer Zeit Menschen die Landschaft verändert. Seit dem 12. Jahrhundert entstanden an vielen Orten im Land solche frühmittelalterlichen Burgen, sogenannte Motten. Sie bestanden aus einem Wohnturm, der durch einen Graben vor Angreifern geschützt wurde. Die Reste der Burg stehen als Bodendenkmal unter Denkmalschutz.

ERNA e. V.
(Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Au­krug)
Der im Naturschutzring gegründete Verein pflegt mit seinen urtümlichen Heckrindern seit 2002 wertvolles Grünland. Die Mitglieder kümmern sich mit viel ehrenamtlichem Engagement um die Rinder und die Entwicklung der mittlerweile vier Weidelandschaften (zusammen 170 Hektar) an der Bünzau, der Buckener Au sowie am Kirchweddelbach in Fitzbek.

Östlich des Weges wird eine etwa zwölf Hektar große Grünlandfläche als Weide für die Robustrinder des Vereins ERNA (siehe Infokasten) genutzt. Weidetiere erhalten das offene Grünland, dessen Artenvielfalt sonst von Büschen und dichtem Wald verdrängt würde. Das Fleisch der Robust­rinder wird über den Verein ERNA vermarktet.

Hier geht‘s auf und ab

Niederungen und Hügel als Zeugen der Landschaftsgeschichte

Die Buckener Au, ein etwa zwölf Kilometer langer Quellfluss der Bünzau, entspringt südwestlich von Hohenwestedt. Das Tal der Buckener Au bildet ein reich strukturiertes Niederungsgebiet. Mit Glück lassen sich hier See­adler, Rotmilane, Schwarz- und Weißstörche, mehrere Fledermausarten, Große Brachvögel, Kiebitze, Graugänse und Kraniche entdecken. Sie nutzen die Flächen zeitweise oder dauerhaft als Brut-, Rast- oder Nahrungsplatz. Der Naturpark Aukrug liegt im Bereich der Schleswig- Holsteinischen Geest, die durch Sandablagerungen während der Eiszeiten entstand. Im Bereich des Naturparks treten zwei Landschaftstypen auf: Die flache, leicht wellige Grundmoränenlandschaft sowie die wesentlich stärker gegliederte Stauch­endmoränenlandschaft. Letztere erreicht im Bereich des Boxbergs Höhen von bis zu etwa 80 Meter über NN. Eine Grundmoräne besteht aus den am Grunde eines Gletschers mitgeführten und abgelagerten Geschiebe­materialien. Das Material, das am Ende eines Gletschers abgelagert wird und hier gestaucht und aufgefaltet wird, bildet die Stauch­endmoränen.

Der Naturpark Aukrug liegt in der
Schleswig-Holsteinischen Geest.

Die Buckener Au zieht sich als natur­naher Bach durch das Niederungsgebiet.

Der Naturwald unterliegt einer weitgehend eigendynamischen Entwicklung. Ein buntes Mosaik von jungen, alten und toten Bäumen bietet eine Fülle an Lebensräumen für viele Tier- und Pflanzenarten.

Der Ästige Stachelbart wächst auf dem Totholz sehr morscher Laubbäume, meist Buchen. Der essbare Pilz sollte aufgrund seiner Selten­heit geschont werden.

Geschützter Naturwald

Gehege Westerholz

Der Kern des Geheges Westerholz steht seit 2017 unter Naturschutz und ist Teil des Naturschutzgebiets „Naturwälder in den Landesforsten Barlohe“. Auf den flachen Kuppen der Hohen Geest gedeihen hauptsächlich Buchenwälder. Kleine Bäche haben Tälchen und schmale Schluchten mit vielfältigen Lebensbedingungen geschaffen. Zahlreiche gefährdete Pflanzenarten wie Alpenhexenkraut, Scheidiger Gelbstern, Rippenfarn und Wiesenschachtelhalm kommen hier vor. Auch seltene Vogelarten wie Schwarzstorch und Seeadler sind in diesen Wäldern zu Hause. Hinzu kommen zwölf verschiedene Fledermausarten! Auch Pilze zeigen den ökologischen Wert des Waldes an: Im Gehege Westerholz kommt zum Beispiel in einem seit über 30 Jahren ungenutzten Waldteil der seltene Ästige Stachelbart (Hericium coralloides) vor. In Naturwäldern wirken Stürme, Insektenbefall und Wildverbiss, ohne dass der Mensch steuernd eingreift. Bäume wachsen dort, wo ihre Samen im Waldboden aufkeimen. Alte Bäume werden nicht gefällt, sondern fixieren noch lange Zeit Kohlendioxid aus der Luft. Sie schützen auf diese Weise das Klima und bieten Lebensräume für Pflanzen, Pilze und Tiere. Tote Bäume werden u. a. durch Insekten, Pilze und Bakterien zersetzt und dem Nährstoffkreislauf wieder zugeführt

Ein Himmelreich für seltene Arten

Gehege Himmelreich

Größere Bereiche des Geheges Himmelreich sind als Naturwald ausgewiesen und sind Teil des Naturschutzgebietes „Naturwälder in den Landesforsten Barlohe“. Hier überwiegen teilweise alte Eichen-Hainbuchen- und Waldmeister-­Buchen­wälder mit hohem Totholzanteil. Entlang der naturnahen Bachläufe stocken wertvolle Feuchtwälder wie Erlen- und Eschenwälder und Weichholzauenwälder. Feuchtwälder sind Lebensraum des scheuen Schwarz­storches, der hier traditionell brütet. Auch das große Vorkommen des seltenen Mittelspechts zeigt die ökologische Bedeutung des Gebiets. Mit Glück lassen sich Schwarzspecht, Wespen­bussard, Uhu, Hohltaube oder Dohle beobachten. Neben den für die genannten Waldgesellschaften typischen Pflanzen­arten finden sich Bergfarn, Rippenfarn, Mittleres Hexenkraut, Alpen-Hexenkraut und Einbeere.

Im Gegensatz zum Weißstorch (Ciconia ciconia) lebt der etwas kleinere Schwarzstorch (Ciconia nigra) in alten, geschlossenen Wäldern mit naturnahen Stillgewässern oder Bachläufen. ­Schnabel und Beine des erwachsenen Vogels sind während der Brutzeit leuchtend rot gefärbt.

Der Mittelspecht ist spezialisiert auf alte Laubbäume und hält sich gern hoch oben in den Baumkronen auf. Sein roter Kopffleck ist viel größer als beim verwandten Buntspecht.

Im Frühjahr bekommen die Männchen der Teichmolche einen hohen gewellten Kamm,
der über den ganzen Rücken bis zum Schwanzende verläuft.

Das Kleine Wintergrün
(Pyrola minor) blüht im Juni und Juli.

Hotspot der Artenvielfalt

Holtdorfer Gehege

Das Holtorfer Gehege ist ein Hotspot der Artenvielfalt für Wälder in Schleswig-Holstein. Eine herausragende Bedeutung haben hierbei die zahlreichen tief eingeschnittenen Bachschluchten mit ihren Quellwald-Gesellschaften. Unter anderem leben hier Kamm- und Bergmolch. Auch verschiedene teilweise seltene Farne kommen hier vor. Ins Auge fallen auch die zahlreichen Knick- bzw. Erdwälle, auf denen vielfach Altbaumbestände stocken. Hier siedelt u. a. das auf der Roten Liste stehende Kleine Wintergrün (Pyrola minor). Das Vorkommen ausgesprochen seltener Waldbodenpflanzen, wie z. B. das vom Aussterben bedrohte Alpen-Hexenkraut (Circaea alpina), trägt zur landesweiten Bedeutung des Holtdorfer Geheges bei. Der Wald ist Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000. Übergreifendes Ziel ist die Erhaltung mehrerer benachbarter Wälder auf Altmoränen der Hohenwestedter Geest mit alten Waldkernen und einer bedeutenden Brutvogelwelt – insbesondere des Mittelspechtes.